Fördermittelnutzung in Deutschland: Ausmaß und Nutzerstruktur
Förderprogramme aus. Nach dem Digitalisierungsindex der Deutschen Telekom (2021/22) nahmen
lediglich rund 18 % der befragten Firmen staatliche Förderung in Anspruch (82 % also nicht). Ähnlich
ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage (2025), dass nur rund 30 % der Unternehmen „viele bzw. die
meisten“ Programme kennen und nutzen, während etwa 40 % sie nur teilweise oder gar nicht
ausschöpfen und 12 % gar keinen Überblick haben. Diese Zahlen legen nahe, dass rund 70–
80 % der Unternehmen keine nennenswerten Förderleistungen abrufen.
Dabei zeigt sich, dass die Nutzung von Firmen- zu Firmen stark variiert. Kleinst- und Kleinbetriebe sind
besonders selten gefördert: Laut Umfrage geben nur 19 % der Unternehmen mit unter 50
Beschäftigten an, viele Programme zu nutzen, gegenüber 37 % bei mittelgroßen (50–249) und 35 % bei
Großunternehmen (>250). Entsprechend sank bei den Kleinstunternehmen der Anteil der
Fördermittel an der Investitionsfinanzierung zuletzt auf nur etwa 13 % (KfW-Mittelstandspanel 2023),
während er bei größeren KMU deutlich höher liegt. Folgende Tabelle fasst die Unterschiede nach
Größenklasse zusammen:
| Unternehmensgröße |
Anteil Firmen mit intensiver Fördermittelnutzung (%) |
| Kleinst- und Kleinunternehmen (1–49 MA) |
19 |
| Mittelunternehmen (50–249 MA) |
37 |
| Großunternehmen (>250 MA) |
35 |
Auch nach Branchen gibt es deutliche Differenzen. Besonders Industriebetriebe nutzen
Förderprogramme häufiger: In der Umfrage gaben 35 % der Industrieunternehmen an, viele
Programme zu kennen und einzusetzen. Im Baugewerbe und bei öffentlichen Dienstleistungen
(etwa Bildung, Verwaltung) liegt dieser Wert bei je rund 31 %, während er in verschiedenen privaten
Dienstleistungssektoren (Handel, Logistik, IKT, Finanzen etc.) bei nur etwa 28 % liegt. Auffallend
ist, dass speziell kleine Unternehmen im Bauhauptgewerbe besonders oft gar keine Fördermittel
nutzen (mehr als ein Viertel der Befragten hatten hier keinerlei Überblick). Konkrete Daten zu
Sozialunternehmen liegen uns nicht vor; sie dürften aber in den oben genannten Kategorien
(Industrie/Bau vs. Dienstleistung) teilweise aufgehen.
Regional zeigen sich ebenfalls Unterschiede – etwa durch spezielle Programme in strukturschwachen
Gebieten. So gilt etwa für den regionalen Investitionszuschuss GRW: Kleine Firmen in förderfähigen
„neuen“ Bundesländern (Ostdeutschland) können Zuschüsse bis 40 % der Investitionskosten erhalten,
im Westen dagegen meist nur 20 %. Zudem betreiben einzelne Bundesländer eigene Förderbanken
und Förderlotse-Programme, die Unternehmen in strukturschwächeren Regionen unterstützen.
Insgesamt fehlen uns jedoch flächendeckende Statistiken nach Region; das verfügbare Material (z.B.
GRW-Beispiele) deutet an, dass gerade in Ostdeutschland und ärmeren Gebieten höhere
Fördersätze möglich sind, während die Bürokratie (Anträge über Landesämter) aufwändiger sein kann.
Im Übrigen gehen viele Förderprogramme (etwa aus EU-Mitteln) ohnehin nach Bundesland- und
Wirtschaftsstrukturverteilung.
Ursachen des geringen Antragsverhaltens
Eine Reihe quantitativer und qualitativer Gründe hemmt die Fördermittelausnutzung. Zu den
häufigsten Barrieren gehören:
- Unkenntnis und Informationsdefizite: Große Teile der Unternehmen haben schlicht keinen Überblick über passende Programme. In der YouGov-Umfrage gaben etwa 25 % der Entscheider an, kaum zu wissen, welche staatlichen Förderungen für sie infrage kommen.
- Wahrgenommene und tatsächliche Komplexität: Die Antragsverfahren gelten als sehr bürokratisch. In der Befragung nannten 38 % der Entscheider die Bürokratie als größte Hürde.
- Mangelnde interne Kapazitäten: Insbesondere kleine Unternehmen verfügen oft nicht über ausreichende personelle Ressourcen, um einen Förderantrag zu bearbeiten.
- Unsicherheit und Aufwands-Nutzen-Erwägungen: Viele Unternehmen zögern aus Angst vor möglichen Nachforderungen oder aufwendiger Dokumentation.
- Geringe Inanspruchnahme externer Beratung: Viele KMU verzichten aus Kostengründen auf teure Berater, wodurch Potenziale ungenutzt bleiben.
- Förderlogik (Kofinanzierung, De-minimis etc.): Fast alle Zuschussprogramme verlangen einen Eigenanteil, was für viele KMU eine Hürde darstellt.
| Hürde |
Nennungsanteil (%) |
| Bürokratische Aufwand bei Antragstellung |
38 % |
| Komplexe Nachweispflichten |
27 % |
| Lange Bearbeitungszeiten |
24 % |
| Fehlender Überblick |
21 % |
| Mangelnde Beratung |
18 % |
| Angst vor Rückforderungen |
13 % |
| Datenquelle: YouGov-Umfrage 2025 (EPSA Deutschland). |
Zusammenfassung
Insgesamt bestätigt die Datenlage, dass deutlich mehr als 70 % der Firmen keine
öffentlichen Fördermittel nutzen. Vor allem kleine Unternehmen und viele Dienstleister schöpfen kaum
Fördermöglichkeiten aus. Hauptgründe sind der schlechte Informationsstand und die hohe Komplexität
der Verfahren, kombiniert mit begrenzten eigenen Ressourcen und Risikoaversion. Die Regierungs- und
Institutionenseite versucht gegenzusteuern (durch Förderlotse-Programme, Vereinfachungen), doch
aktuelle Studien zeigen, dass es weiterhin erheblicher Aufklärungs- und Beratungsbedarf besteht, um
die Förderquote substanziell zu steigern.